Weniger Stress

Dauerstress schränkt nicht nur die Lebensqualität ein, sondern kann auch krank und vergesslich machen. Hier finden Sie ein paar Fakten zu Stress und warum es Sinn macht, Stress zu reduzieren und etwas für die Gesundheit zu tun.

Ein paar Fakten zu Stress

Stress ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für alle belastenden Lebensumstände geworden. Stress wird als ein Zustand der Alarmbereitschaft des Organismus definiert, der sich auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft einstellt.

Um zu überleben, mussten unsere Vorfahren sofort auf lebensbedrohliche Ereignisse reagieren – zum Beispiel bei Gefahr entweder kämpfen oder flüchten. Dafür bildet der Körper Stresshormone. Deshalb ist man unter Stress fähig, erhöhte Anforderungen zu bewältigen und ungeahnte Kräfte zu entwickeln. Bei unseren Vorfahren folgte auf eine Stresssituation meist eine Phase der Erholung und Entspannung. Können die Stresshormone nicht abgebaut werden, kann man auf die Dauer aus dem Gleichgewicht kommen. Man fühlt sich gestresst und überfordert.

Ein stressfreies Leben ist unmöglich

Schwierige Situationen sind Teil des Lebens. Es gibt äußere Auslöser und innere Auslöser von Stress. Zu den äußeren Auslösern von Stress zählen: finanzielle Probleme, Anforderungen in der Arbeit, der Straßenverkehr, Streit, Verluste. Zu  inneren Auslösern von Stress gehören Gedanken, die durch die negative Interpretation einer Situation eine Stressreaktion auslösen können.

Stress ist subjektiv

Was einer Person Spaß macht, kann eine andere Person als stressig empfinden. Interpretation und Wahrnehmung sind wichtige Faktoren dabei, wie man auf eine Situation reagiert. Das Stressniveau steht in direktem Zusammenhang mit der Einschätzung des Ereignisses, das den Stress auslöst. Eine Ringelnatter zu entdecken kann bei einer Person Furcht und starken Stress auslösen und bei einer anderen eine spielerische Begleiterscheinung von Gartenarbeit sein.

Nicht jeder Stress ist schlecht

Ein geringes bis mittleres Maß an zeitweiligem Stress kann zu optimaler Leistung führen. Chronischer Stress, der nicht nachlässt, macht jedoch nicht nur unglücklich, sondern kann auch das Immunsystem schwächen. Bei vielen chronischen Erkrankungen wird Stress eine wesentliche Rolle zugeschrieben. Es gibt auch erste Hinweise, dass Stress eine Rolle bei der Zellalterung spielt.

Stress kann vergesslich machen

Vergesslichkeit ist keine Frage des Alters. Viele Menschen zwischen 30 und 55 Jahren befürchten, an einer Demenz zu leiden. In den meisten Fällen haben Vergesslichkeit und Unkonzentriertheit aber nichts mit einer Altersdemenz oder Alzheimer zu tun. Bei dauerndem Stress schüttet das Gehirn chronisch das Stresshormon Cortisol aus. Und das kann zu Vergesslichkeit und Entscheidungsunfähigkeit führen. Der Neurologe Professor Dr. Wolfgang Lalouschek spricht in einem ORF-Interview von einer so genannten „Stressdemenz“. Vor allem „Multitasking“ spielt bei der Entstehung eine Rolle. Multitasking nennt man die Fähigkeit, mehrere Tätigkeiten „gleichzeitig" auszuführen. Wer dauernd mehrere Aufgaben gleichzeitig macht, überfordert sich und das hat Folgen. Eine „Stressdemenz“ ist aber kein bleibender Schaden. Die Symptome können wieder verschwinden, wenn man sein Leben ändert.

Stress kann krank machen

Unter bestimmten Umständen kann eine fehlgesteuerte oder unangemessene Stressreaktion unabhängig von der Art des Auslösers selbst Ursache von Überlastung und Krankheit werden. Jeder Mensch weiß, dass manchmal eine Kleinigkeit ausreicht, um eine emotionale Reaktion auszulösen, die in keinem Bezug zum Auslöser steht. Das passiert vor allem dann, wenn man unter Druck steht oder Sorgen hat.

Der Zustand hoher Erregung kann für das ganze Leben prägend sein. Das zeigt sich in chronischen Verspannungen, erhöhter Herzfrequenz, Herzklopfen, Herzaussetzern, feuchten Händen. In vielen Situationen erlebt man Fluchttendenzen, in anderen reagiert man gereizt, streitsüchtig oder jähzornig. Es gibt zunehmend Belege, dass die Dauererregung zu einer Störung des Organismus führen kann. Damit sind Symptome verbunden wie: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, entzündungsbedingte Verdauungsbeschwerden, chronische Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung.

Jede dieser Folgeerscheinungen kann wiederum Ursache für vermehrten Stress sein und erhöht das Problem insgesamt. Ein Schlüsselelement ist hier, sich der inneren Wertung, des Grübelns und des Sorgens bewusst zu werden. Denn Gedanken und Geschichten können zu unserem Stress beitragen.

Viel Stress entsteht im Kopf und ist unnötig

Bei Menschen kann sich im Gegensatz zu Tieren eine Stressreaktion schon aktivieren, wenn man an die Zukunft denkt. Eine Stressreaktion kann also nicht nur Folge eines direkten körperlichen und psychischen Auslösers sein, sondern ein Gedanke allein kann reichen. Dazu gehören Gedanken wie an ein anstehendes Bewerbungsgespräch, fallende Aktienkurse, vor Menschen zu sprechen – manchmal reicht ein schiefer Blick.

Lernen, mit Stress besser klarzukommen

Die gute Nachricht ist: Man kann lernen, besser mit Stress klarzukommen. Die Fähigkeit eines Menschen, Stress zu ertragen und Katastrophen zu überwinden, nennt man Resilienz. Resilienz trägt jeder in sich, sie kann verbessert und gestärkt werden. Ruhepausen und die regelmäßige Praxis von Achtsamkeit sind eine Basis, um Ressourcen zu aktivieren und Reslienz zu bilden. Das hilft dabei, auch in schwierigen Zeiten Ruhe zu bewahren und durchzuatmen. Genau hier setzt Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) an.

„Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.“

Jon Kabat-Zinn